Ærø | OstseePerle

26. Juni 2020

Eine kleine Auszeit gefällig? Aber Ihr wollt nicht in die Ferne schweifen? Dann fahrt doch mal eben in die Südsee. Auf der Insel Ærø in der Dänischen Südsee kann man mitten in der Ostsee karibisches Flair erleben

SO KOMMT MAN NACH ÆRØ

Ærø liegt in der südlichen Ostsee, direkt vor der Flensburger Förde. Wenn man nicht mit dem eigenen Boot anreist, erreicht man von Hamburg aus in gut 2,5 Autostunden Fynshav. Direkt hier beginnt das Urlaubsgefühl, denn seit Sommer 2019 gleitet die Elektrofähre “Ellen” mit Ökostrom nach Søby im Norden von Ærø. Ob wir wegen des leisen Elektromotors auf der Überfahrt sogar Schweinswale beobachten konnten? Jetzt während der Coronazeit ist eine Reservierung obligatorisch; zu normalen Zeiten zumindest in der Saison empfehlenswert.

WAS MACHT MAN AUF ÆRØ?

Rund 6’000 Menschen leben auf Ærø, die meisten in den 3 grösseren Orten: Søby im Norden, Ærøskøbing im Osten und Marstal im Süden. Dazwischen liegen einige kleinere Dörfer, vereinzelte Höfe und unendlich viele Wiesen, Weiden und Felder in einer ausgedehnten Knicklandschaft. Die Insel ist auch in der Hochsaison nicht überfüllt und niemals hektisch. Daher erkundet man die Insel am besten mit dem Fahrrad. Aber wer denkt, Dänemark ist flach, der wird sich wundern. Die letzte Eiszeit hat den Radlern besonders im Westen sanfte Hügel in den Weg geschoben. Die Fahrradrouten führen über ruhige Nebenstraßen fast um die gesamte Insel herum. Das Meer ist dabei ständiger Begleiter und die vielen Rastplätze und Strände laden zu der einen oder anderen Picknick- oder Badepause ein. Eine detailierte Rad- und Wanderkarte  – auch in deutscher Sprache – erhält man bei den Touristinformationen.

ÆRØS NORDEN: SØBY UND UMGEBUNG

Søby ist mit rund 340 Einwohnern der kleinste und nördlichste der 3 Hauptorte. Urlauber aus Deutschland kommen hier mit der Fähre an. Der Ort ist geprägt vom Hafen und der Søby Værft, dem größten Arbeitgeber der Insel. Lohnenswert ist ein Ausflug per Rad von Søby aus auf die Nordspitze der Insel. Vorbei an der Stadtmühle gelangt man nach rund 5 km zum Leuchtturm Skjoldnæs. Der wunderschöne Backsteinturm liegt mitten in einem der wohl am schönsten gelegenen Golfplätze Dänemarks und kann gegen eine geringe Eintrittsgebühr von Sonnenauf- bis -untergang bestiegen werden.

Mein Tipp: Wer gerne wandert, dem sei eine Umrundung des Vitsø Nor ans Herz gelegt. Der ehemalige Fjordarm wurde in den 1780er Jahren für die landwirtschaftliche Nutzung entwässert und im Jahr 2009 als Feuchtbiotop wieder hergestellt. Heute ist das Gebiet ein wichtiger Standort für viele Zug- und Brutvögel – also unbedingt Fernglas mitnehmen.

Ganz in der Nähe des Vitsø Nor kann das kleine Schloss Søbygaard, eine aus mehreren Gebäuden bestehende Gutsanlage besichtigt werden. Hier finden wechselnde Ausstellungen und in den Sommermonaten Theateraufführungen und Konzerte statt. Oberhalb des Schlosses kann die Vester Mühle, die älteste Mühle von Ærø, über einen kurzen Fußweg erreicht werden.

ÆRØS WILDER WESTEN: DAS VODERUP KLINT

Radelt man auf der Route 91 an der Westseite der Insel entlang, geht es stetig bergauf und -ab durch eine schier endlose Knicklandschaft vorbei an verstreut liegenden Höfen und wogenden Feldern. Besonders sehenswert ist das Voderup Klint, auch Dänemarks höchstes Treppenhaus genannt. Ein schmaler Pfad führt Stufe für Stufe vom Kliff über breite Terrassen hinunter zum Strand und gibt den Blick auf das Steilufer frei.

DER SÜDEN: HAFENSTADT MARSTAL

Obwohl Marstal mit rund 2’000 Einwohnern der größte Ort auf Ærø ist, ist es hier herrlich entspannend. Die Stadt ist Hafenflair pur: Fischerhafen, alte Werftanlagen und ein großer Yachthafen. Das Marstal eine bewegte Seefahrervergangenheit hat, davon zeugen das lohnenswerte Schifffahrtsmuseum und die sieben Kirchenschiffe in der Kirche von 1738. Um die Kirche herum laden die Innenstadt mit Fußgängerzone und viele kleinen Gassen mit ihren schmucken Häuschen zum Bummeln ein. 

DIE BADEHÄUSCHEN VON ÆRØ

Sie sind das bunte Wahrzeichen von Ærø. Die Badehäuschen von Eriks Hale in Marstal und am Vester Strand von Ærøskøbing. Kuschelig zwischen Sand, Strandrosen und Dünengras liegen sie direkt am Ostseestrand und gehören zum Kulturerbe Dänemarks. An den teils 100 Jahre alten Häuschen darf nichts verändert werden, d.h. sie haben bis heute weder Strom- noch Wasseranschluss. Ihren Nutzern dienen sie als Schuppen für die Badeutensilien oder als Treffpunkt mit Freunden und Familie.

Mein Tipp: Sommerabends am Vester Strand baden gehen und den Sonnenuntergang genießen.

GENUSSRADELN ZWISCHEN MARSTAL UND ÆRØSKØBING

Meine Liebslingsradtour auf Ærø: Die Fahrradroute N92 windet sich von Marstal flach und abwechslungsreich durch Wiesen und Felder, über den kleinen Ort Ommel und führt dann direkt an der Ostsee entlang bis zum Hafen von Ærøskøbing. Zahlreiche Rastplätze und kleine Fischerstege verleiten immer wieder zum Anhalten.

Wer kleine Fischerhäfen und einsame Strände liebt, der sollte von Ommel aus die Häfen Strandbyen und Kleven erkunden und einen Abstecher auf die Halbinsel Ommelshoved machen.

Noch ein Tipp: Wenn man Ærøskøbing erreicht hat, lohnt es sich, das Rad zu schieben und den Fußweg zum Hafen zu nehmen. Eine wunderschöne Pappelallee führt hinter den Stadthäuschen entlang und gibt den Blick auf die schönen Gärten frei.

IDYLLISCHES ÆRØSKØBING

In Ærøskøbing könnte ich stundenlang durch die gepflasterten Gassen schlendern, ein Häuschen ist schöner als das andere. Ærøskøbing ist eine der besterhaltenden mittelalterlichen Städte Dänemarks. Um die Kirche und den zentralen Platz herum drängen sich die engen Gassen mit den bunten und liebevoll dekorierten Häuschen. Im Frühsommer ist es besonders schön, denn die blühenden Rosen und Stockrosen geben den Fassaden einen zusätzlichen Farbakzent. 


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Du solltest Reiseführer schreiben. Echt toller Bericht.
Lg Bianca

Vielen lieben Dank, Bianca. Es macht auch unglaublich viel Spaß. Und bei der tollen Insel fällt es auch leicht.

Da wir uns im Moment sowieso nach schönen Radtouren im Norden umschauen, kommt mir Dein Artikel wie gerufen.Du hast das echt schön geschrieben und die Fotos dazu machen total Lust, mal dort hinzufahren. Danke dafür!

Liebe Sabine. Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ja, diese Insel ist echt toll und sie ist perfekt zum Rad fahren…

Na, da muss ich doch auch gleich danke sagen und wenn es vom Bodensee aus nicht doch ein bisschen weit wäre, würde ich mich gleich auf den Weg machen. Ganz tolle Bilder und prächtig erzählt!
Liebe Grüsse
Ursula

Vielen lieben Dank, Ursula… Ja, vom Bodensee ist eher weit, von Hamburg aus nur ein Katzensprung… dafür habt Ihr ja die Schweiz vor der Tür…

Kann den anderen Kommentaren nur zustimmen… Tolle Fotos und toller Bericht.

Vielen Dank Matthias…. freut mich sehr…

Herrliche Fotos und gute Beschreibungen. Wenn man die Häuser anschaut, ist kaum glauben, daß Dänemark zu den skandinavischen Ländern gehört. Wenn einer wieder durch Schweden und Dänemark nach Deutschland saust, muss man einen Abstecher auf die Insel machen.
Vielen Dank und liebe Grüße

Moin Jorma
Vielen Dank für Deinen tollen Kommentar – und, ja die Insel ist wirklich einen Besuch wert.
Viele Grüsse Kerstin

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